Partybaby unterwegs (23+2)

Mit großen Vorsätzen und vielen Ideen habe ich letzten Herbst hier den Neustart versucht. Und dann kam doch wieder die große Funkstille. Einer der Hauptgründe: ich bin wieder schwanger. Leider scheint mein Körper meine Begeisterung darüber nicht ganz zu teilen, bislang habe ich fast jedes Wehwehchen mitgenommen, das so in der Gegend rumspringt. Dadurch war (und bin) ich ziemlich außer Gefecht gesetzt. Aber die nächsten Wochen werden vielleicht wieder etwas ruhiger, und mir geht so viel im Kopf herum, deshalb hoffe ich sehr, dass ich wieder Ruhe und Muße zum Bloggen finde.

Wir freuen uns auf jeden Fall sehr auf unser Partybaby, dass seit seiner Empfängnis scheinbar ausschließlich mit wildem Feiern beschäftigt ist. Zunächst hatte ich jedenfalls einen Dauerkater. Darüber hinaus ist jeder Ultraschall für die Ärztin eine Herausforderung, weil dieses zappilige Wesen keine Sekunde still hält, und seit ich die Bewegungen spüre geht es erst so richtig rund! Wir freuen uns schon riesig auf den kleinen Zappelmann!

Wutzwerg

Das *hachz*-Gefühl ist immernoch sehr präsent. Aber nicht ununterbrochen (war es vermutlich auch noch nie). Allerdings zeigt sich mittlerweile auch sehr deutlich, dass wir uns mit großen Schritten der Trotzphase nähern.

Das Fröschlein hat mittlerweile sehr klare Vorstellungen davon, was es will, wann es das will, und wie genau das zu geschehen hat. Kleinste Abweichungen können verheerende Folgen haben. Und wenn ich böse Mama sogar etwas ganz anderes im Sinn habe als er, dann bekomme ich eine Vorstellung davon, was in nächster Zeit auf uns zukommt.

Gestern wählten wir einen für uns ungewöhnlichen Weg nach Hause. Als wir eine Straße überquerten, drehte sich das Fröschlein auf einmal um, wollte zurück laufen und rief immer wieder “Auto”. An einer stark befahrenen Straße sind Autos keine Seltenheit, deshalb verstand ich zunächst gar nicht, was er wollte. Nach einige Zeit fiel der Groschen. Er hat am Ende einer Querstraße einen Drogeriemarkt entdeckt, in dem er mal vor einiger Zeit einen Auto-Einkaufswagen benutzen durfte. Nach dem Einkauf hat es ziemlich lange gedauert, bis wir ihn wieder aus dem Gefährt gelotst hatten. Dass er sich daran noch erinnerte, außerdem aus der Entfernung im Halbdunkel die Orientierung behielt, wo wir noch dazu auf keinem gewohnten Weg unterwegs waren, überraschte mich schon sehr.

Ich hatte meine liebe Mühe, ihn davon abzuhalten, geradewegs zurück auf die Straße zu laufen. Schließlich klemmte ich ihn mir einfach unter den Arm und schleppte ihn ein paar Meter auf einen nahegelegenen Supermarktparkplatz. Dort erklärte ich ihm wieder und wieder, dass wir heute nicht zu dem Autoeinkaufswagen gehen würden. Dass wir jetzt nach Hause gehen. Dass er gerne in seinen Kinderwagen darf, wenn er nicht mehr laufen möchte. Dass er auf dem Weg auch gerne noch auf seiner Lieblingsmauer klettern darf. Alles ohne Effekt. Das Fröschlein tobte und schrie, wälzte sich auf dem Boden und hing sich an meine Knie, wenn ich versuchte, einen Schritt weiter zu gehen oder versuchte mit den Worten “Tüss Mama” wegzulaufen. Zahlreiche Passanten schauten uns mehr oder weniger neugierig an, zum Glück sparten sich fast alle hilfreiche Kommentare, dafür gab es das eine oder andere aufmunternde Lächeln. Da ich so etwas jetzt schon häufiger erlebte und keinerlei Zeitdruck hatte, habe ich das ganze einfach ausgesessen. Einfach ruhig weiter mit ihm geredet, bis er nach 10 Minuten bereit war, in seinen Kinderwagen zu steigen und mit mir nach Hause zu kommen.

Bislang finde ich diese Episoden fast noch unterhaltsam, aber bislang hat es mich auch noch nie erwischt, wenn ich sowieso schon unter Druck stand. Davor graut mir ein wenig.

Erziehungserfolg

Die Erzieherinnen in der Fröschlein KiTa denken inzwischen bestimmt schon, dass das arme Kind zu Hause nie etwas zu essen bekommt. Denn er rennt jeden Morgen in den Raum, hält einer Erzieherin seinen Rucksack mit der Frühstücksdose unter die Nase und erklärt “Unga!” (Hunger). Ich düse hinterher und erkläre ihm jeden Morgen, dass er erst einmal “Guten Morgen” oder “Hallo” sagen soll und danach fragen darf, ob er etwas zu essen bekommt. Endlich hat es gewirkt: heute Morgen düste das Fröschlein in den Raum und begrüßte seine Lieblingserzieherin mit “Hallo Unga!” :D

 

Wie gesagt

Familie Frosch ist derzeit auf der Suche nach einem neuen fahrbaren Untersatz. Deshalb haben wir in der vergangenen Woche mehrere Autohäuser aufgesucht und Verkaufsgespräche geführt. Ganz offensichtlich gehört zum Grundvokabular eines jeden Autoverkäufers die Phrase “wie gesagt” (bei Sportlern in Fernsehinterviews erfreut sich dieser Ausdruck meinem Eindruck nach auch großer Beliebtheit). Aber liebe Phrasendrescher: als “Füllwort” ergibt das einfach keinen Sinn, wenn man gerade ein komplett neues Thema angeschnitten hat. Und schon gar nicht als Gesprächseröffnung. Finde ich jedenfalls.

*hachz*

sollte ich nochmal ein kind bekommen, möge man es mir bitte im alter von anderthalb liefern: dieses alter ist grad echt der hammer.
Melanie auf glücklich scheitern im September

Ich kann das nur unterschreiben. Jede Entwicklungsphase mit dem Fröschlein war etwas ganz Besonderes. Aber seit er etwa 18 Monate alt ist, komme ich aus dem “hachzen” und staunen kaum noch heraus. Jeden Tag denke ich mindestens zehnmal “Wahnsinn”, weil das Fröschlein weitere Kommunikationsfortschritte gemacht hat und lernt, sich immer besser mitzuteilen. Weil er seine ersten Schlussfolgerungen zieht, Zusammenhänge erkennt und auf andere Dinge überträgt. Weil er auch nach dem größten Unsinn so schelmisch lieb grinsen kann, dass (fast) jeder Ärger augenblicklich verfliegt. Und wenn man nach dem dritten seiner kräftigen, nervenzehrenden Wutanfälle innerhalb von 30 Minuten über die Adoptionsfreigabe nachdenkt, dann macht er garantiert im nächsten Moment irgendetwas, dass das Mamaherz einfach dahinschmelzen lässt. Und dieses Hochgefühl hält nun schon seit mehr als zwei Monaten an.

Einmal das “Rundum-sorglos-Paket” bitte

Eine lebenslange Garantie dafür, dass einem selbst, dem Kind, und allen, die einem lieb sind nichts Schlimmes passiert. Das wäre schön. Kann man das irgendwo kaufen? Oder Moment… warum überhaupt kaufen? Sollte das nicht jeder kostenlos bekommen? Als Grundversorgung! Dann bräuchten wir auch endlich für nichts mehr Verantwortung zu übernehmen und könnten dann in großes Wehklagen einfallen, sollte doch etwas schief gehen: “Warum tut denn da niemand was dagegen?” “Das ist wirklich was, da sollten DIE mal etwas unternehmen!”

Der Trend geht eindeutig zur totalen Absicherung. Grundsätzlich habe ich daran auch gar nichts auszusetzen, besonders, wenn der so gewonnene Schutz den schwächsten Gliedern der Kette zugute kommt, zum Beispiel Fußgängern im Straßenverkehr oder Kindern. Und ich nehme mich selbst gar nicht vom Wunsch nach absoluter Sicherheit aus – im Gegenteil! Leider bin ich eher überbesorgt veranlagt und würde manchmal viel darum geben, wenn ich das Fröschlein in Watte einpacken könnte. Dennoch irritiert mich  die Erwartungshaltung, dass doch bitte “irgendwer” (meist der Staat) endlich mal dafür sorgen muss, dass dies oder jenes nicht mehr passieren kann. Denn so entzieht man sich elegant jeder Eigenverantwortung.

Leben heißt aber auch Risiken eingehen. Selbst aktiv werden. Das Fröschlein weiß das offensichtlich. Ich muss das immer wieder lernen. Und so manch anderer scheinbar auch.