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11 Fragen von Frau Gminggmangg

Die werte Frau Gminggmangg hat ein Stöckchen in der Gegend rumliegen lassen, und ich bin darüber gestolpert. Und auch wenn ich bislang eher selten eines aufgegriffen habe, musste ich über die Fragen so viel nachdenken, dass ich das ganze auch gleich aufschreiben kann. Hier passiert sonst leider ja nicht viel.

1. In welcher/n Person/en (Grammatik) führen Sie Selbstgespräche?

Da muss man unterscheiden. Laute Selbstgespräche führe ich in der 2. Person Singular. Diese Form der Kommunikation ist ausschließlich dafür vorgesehen, mit mir selbst zu schimpfen. Um aber einen Rest Höflichkeit zu erhalten, spreche ich mich dabei mit Frau M. an. Zum Beispiel „Frau M., das hast Du ja super hinbekommen. Alles kaputt.“ M. ist übrigens mein Mädchenname. Ich hatte diese Angewohnheit schon immer und konnte mich nach der Namensänderung durch Heirat nicht umgewöhnen.

Und dann gibt es noch die Selbstgespräche in meinem Kopf. Wobei das nicht wirklich Selbstgespräche sind, denn ich diskutiere in Gedanken prinzipiell mit anderen. Gesprächspartner ist dabei, wer mir gerade in den Sinn kommt. Das Problem an der Sache ist, dass ich mir die Dialoge so lebhaft vorstelle, dass ich manchmal nicht mehr weiß, ob ein Gespräch wirklich statt fand. Das führt mitunter zu Konfusion, wenn ich jemandem gegenüber behaupte, wir hätten das doch schon längst besprochen, der andere aber stur darauf beharrt, noch nie mit mir dieses Thema behandelt zu haben. Und leider führe ich in meinem Kopf sehr, sehr viele Gespräche.

Übrigens diskutiere ich nicht nur sehr gerne in Gedanken, ich blogge dort auch mit Begeisterung. Wenn ich gerade keine Tastatur zur Hand habe, formuliere ich vor, baue Argumentationsketten und manchmal sogar witzige Pointen. Im Kopf habe ich in den letzten 12 Monaten mindestens 50 Blogeinträge geschrieben. Wie man sehen kann, ist es dabei dann auch geblieben.

2. In welchen Staat würden Sie nicht reisen wollen?

In  Staaten, in denen Frauen nicht selbst über sich bestimmen dürfen.

3. Wieso?

Für mich ist die Vorstellung, dass ich nicht selbst entscheiden dürfte, was ich mache, wohin ich gehe oder gar wen ich heirate, ganz furchtbar. Und auch, wenn ich mir bei meinem Gatten keine Sorgen mache, dass er plötzlich über mich bestimmt, nur weil wir uns in einem entsprechenden Land aufhalten, schreckt mich alleine die Möglichkeit ab. Und der Gedanke an all die Frauen, die mit dieser Situation klar kommen müssen.

4. Halten Sie sich beim Zusammenbauen von Möbelstücken an die Anleitung?

Immer. Ohne Ausnahme. Und nicht nur bei Möbelstücken.

5. Wieso?

Ich bin ein Anleitungsfanatiker. Anleitungen müssen befolgt werden, auch wenn sie ganz offensichtlich Mist sind. Aber immerhin hat sich irgendjemand die Mühe gemacht, eine Anleitung zu verfassen, da wäre es doch sehr unhöflich, sie einfach zu ignorieren.

6. Können Sie mir einen Wein empfehlen?

Nein, tut mir leid.

7. Welchen?

Siehe 6.

8. Ordnen Sie Ihre Bücher?

JA! (Kann man etwa Bücher nicht ordnen?)

9. Nach welchen Kriterien?

Aktuell nach Genre und innerhalb des Genres nach Anfangsbuchstaben des Autorennachnamens. Bevor ich Kinder hatte, packte mich circa einmal im Jahr die Ordnungswut und ich sortierte alles neu: Autoren A-Z, nach Größe, nach Farbe, alles schon gehabt. Wobei in der Praxis alphabetische Ordnungen in puncto Wiederauffindbarkeit deutliche Vorteile zeigen. Was mich dabei wahnsinnig macht: manche Bücher sind auf dem Rücken von links nach rechts beschriftet, manche andersherum. Teilweise variiert das sogar beim gleichen Verlag, bishin zu innerhalb einer Buchreihe. Liebe Verlage: Das geht so nicht! Ich bin werder Ordnungsfanatiker noch habe ich einen ausgepägten Sinn für Ästhetik (wer schon  einmal bei mir war, weiß, was ich meine), aber das ist wirklich ein Unding!

Im Moment bin ich an dem Punkt, dass ich denke, bei nächster Gelegenheit sollte ich außer den absoluten Lieblingsbüchern alle aussortieren und in Zukunft nur noch den eReader nutzen. Hätte ich mir früher nicht vorstellen können.

10. Möchten Sie mir ein Paar Wollsocken stricken?

Ja, sehr gerne. Aber das „Möchten“ alleine hilft Ihnen nicht weiter, denn ich beherrsche das Sockenstricken leider nicht.

11. Wieso (nicht)?

Weil ich Ihnen gerne eine Freude machen würde, und ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass gestrickte Socken eine Freude für Sie sind. Aber, wie gesagt, leider bin ich handwerklich dazu nicht in der Lage.

***

Ich vermute, ich muss mir jetzt auch noch 11 Frage ausdenken. Da ich im Gegensatz zu Frau Gminggmangg im Internet eine gnadenlose Duzerin bin, sei mir bitte verziehen, dass ich diese Form der Ansprache wähle.

1. Sind Deine Socken in der Schublade sortiert (z.B. nach Farbe, Material) oder wild durcheinander?

2. Magst Du Mathematik?

3. Warum (nicht)?

4. Auf welche(s) bislang ungelöste Frage/Problem würdet Dich die Antwort brennend interessieren?

5. Wenn Du eine Verkehrsregel abschaffen dürftest, welche wäre das?

6. Warum?

7. Und welche Verkehrsregel würdest Du neu einführen?

8. Liest Du Bücher mehr als einmal?

9. Gibt es ein Buch, das es auf jeden Fall wert wäre, mehrfach gelesen zu werden?

10. Welche Farbe hat das Kleidungsstück, das Du zuletzt gekauft hast?

11. Welche Deiner Macken magst Du an Dir selbst am liebsten?

***

Auch ich lasse das einfach mal so stehen und hoffe, dass jemand darüber stolpert.

Rabenmutter?

Seit gut 2 Monaten lebe ich nun mit zwei Kindern zusammen. Der Start war bilderbuchmäßig: ein Baby, das ausgeglichen und pflegeleicht ist, ein Zweijähriger, der gar nicht genug davon bekommen kann, seinen Bruder zu streicheln und zu küssen. Sogar die Nächte waren deutlich besser, als ich befürchtet hatte. Wir machten erste Ausflüge, unternahmen Dinge, die ich mir beim ersten Baby in dem Alter nichtmal ansatzweise hätte vorstellen können. Man hat ja mittlerweile Routine und ist ganz lässig und entspannt, nicht wahr? Und dann wurde das Baby 6 Wochen alt und begann zu weinen. Nein, kreischen beschreibt es besser. Mehrfach täglich steigerte er sich für 30 bis 60 Minuten regelrecht in Hysterie, und ließ sich durch nichts beruhigen – kein Tragen, Singen oder Stillen half. Zeitgleich begann beim Fröschlein seine bislang intensivste „Nein“-Phase. Egal was wir machen wollten, er lehnte alles vehement ab. Zähne putzen, Wickeln, Schuhe anziehen, gemeinsames Essen – alles wurde zu einem Drama. Der Gatte und ich kamen an unsere Grenzen, wir waren teilweise rat- und hilflos. Wir hatten ein Baby, das wir nicht beruhigen konnten und einen Zweijährigen, den wir nicht erreichten. Beide schrien teilweise um die Wette und schaukelten sich noch gegenseitig hoch. Bei mir lagen die Nerven blank und ich merkte, wie ich Fehler über Fehler machte und mir einige Situationen aus den Händen glitten – ich wurde laut und ungerecht, und das machte natürlich nichts besser. Zwischendurch ertappte ich mich bei dem schuldbewusst bei dem Gedanken, dass es sich kinderlos eigentlich auch gar nicht so schlecht gelebt hat. Noch nie habe ich mich als Mutter so sehr in Frage gestellt, wie in diesen Tagen. Im Nachhinein zweifelte ich sogar die Entscheidung für ein zweites Kind an, fand es unverantwortlich den Kindern gegenüber, wenn ich doch schon mit einem überfordert bin.

Und dann war der ganze Spuk nach zehn Tagen urplötzlich vorbei. Das Baby gluckste wieder vergnügt und das Fröschlein hatte auf einmal wieder kooperative, gutgelaunte Momente. Natürlich testet er trotzdem weiterhin den ganzen Tag Grenzen aus, aber in einem Maße, mit dem ich die meiste Zeit gut umgehen kann. Aber die Erinnerung an das Gefühl des Versagens ist noch sehr präsent, und ein wenig graut mir vor der nächsten schlimmen Phase.

Und dann postete gestern jemand den Link zum Artikel von Steve Wiens in meine Twitter-Timeline, der davon handelt, dass negative Gedanken einen nicht automatisch zu schlechten Eltern machen. Dass es normal ist, wenn man manchmal lieber woanders wäre oder die Minuten zählt, bis die Kinder endlich schlafen. Beim Lesen dachte ich die ganze Zeit nur „Ja, ja, ja, endlich gibt jemand mal solche Gedanken zu“. Denn Familienleben ist nicht immer rosa Zuckerwatte, es gibt Tage, an denen man sich nichts mehr wünscht, als eine Pause. Und ich stimme Wiens zu, wenn er sagt, dass einen das nicht zu schlechten Eltern macht, genauso wie Fehler erlaubt sind.

Für mich stellte sich dann aber die Frage, wann man als Elternteil schlecht ist. Natürlich gibt es die ganz offensichtlichen Fehlleistungen wie Misshandlung oder Vernachlässigung. Aber ich denke, es reicht auch schon weniger, um ein Kind einen Schaden davon tragen zu lassen. In irgendeiner Blogdiskussion (wann und wo habe ich leider vergessen) ging es auch mal um das Thema „gute Eltern“ und der Tenor war, dass das wichtigste sei, dass man sein Kind liebt. Meiner Meinung nach ist es nicht ganz so einfach, denn ich bin davon überzeugt, dass die meisten Eltern ihre Kinder lieben, auch die, die richtig Bockmist bauen. Und ich komme bei all meinen Überlegungen zu dem Ergebnis, dass es wohl keine allgemeingültige Definition für gute Eltern gibt. Bin ich eine gute Mutter? Ich weiß es nicht. Perfekt bin ich mit Sicherheit nicht, aber das ist vollkommen in Ordnung. Perfektion ist in meinen Augen kein besonders erstrebenswertes Ziel und würde keinem guttun, auch nicht den Kindern. Wie sollten sie sonst je lernen, dass Fehler zum Leben gehören und dass es darauf ankommt, wie man damit umgeht? Und deshalb finde ich es wichtig, dass auch mal beim netten Mutterplausch darüber geredet wird, wie man seine eigenen Erziehungsideale „verraten“ hat. Vielleicht hört man dann auf, sich an überzogenen Idealvorstellungen zu orientieren und erkennt, dass man sich gar nicht so schlecht schlägt.

(Wiens-Artikel via @Liamie)

Unwirklich

Heute mittag schrieb ich bei Twitter:

Beide Kinder schlafen. Das versuche ich jetzt auch.

— Yenofa(@MmeYenofa) August 25, 2013

Und vor dem Absenden stockte ich. Hatte ich gerade „beide Kinder“ geschrieben? Beide? Das bedeutet zwei. Zwei Kinder! Ich. Die mich Mama nennen (naja, eins davon, das andere zumindest irgendwann). Unglaublich. Immer noch sehr unwirklich.