Rabenmutter?

Seit gut 2 Monaten lebe ich nun mit zwei Kindern zusammen. Der Start war bilderbuchmäßig: ein Baby, das ausgeglichen und pflegeleicht ist, ein Zweijähriger, der gar nicht genug davon bekommen kann, seinen Bruder zu streicheln und zu küssen. Sogar die Nächte waren deutlich besser, als ich befürchtet hatte. Wir machten erste Ausflüge, unternahmen Dinge, die ich mir beim ersten Baby in dem Alter nichtmal ansatzweise hätte vorstellen können. Man hat ja mittlerweile Routine und ist ganz lässig und entspannt, nicht wahr? Und dann wurde das Baby 6 Wochen alt und begann zu weinen. Nein, kreischen beschreibt es besser. Mehrfach täglich steigerte er sich für 30 bis 60 Minuten regelrecht in Hysterie, und ließ sich durch nichts beruhigen – kein Tragen, Singen oder Stillen half. Zeitgleich begann beim Fröschlein seine bislang intensivste „Nein“-Phase. Egal was wir machen wollten, er lehnte alles vehement ab. Zähne putzen, Wickeln, Schuhe anziehen, gemeinsames Essen – alles wurde zu einem Drama. Der Gatte und ich kamen an unsere Grenzen, wir waren teilweise rat- und hilflos. Wir hatten ein Baby, das wir nicht beruhigen konnten und einen Zweijährigen, den wir nicht erreichten. Beide schrien teilweise um die Wette und schaukelten sich noch gegenseitig hoch. Bei mir lagen die Nerven blank und ich merkte, wie ich Fehler über Fehler machte und mir einige Situationen aus den Händen glitten – ich wurde laut und ungerecht, und das machte natürlich nichts besser. Zwischendurch ertappte ich mich bei dem schuldbewusst bei dem Gedanken, dass es sich kinderlos eigentlich auch gar nicht so schlecht gelebt hat. Noch nie habe ich mich als Mutter so sehr in Frage gestellt, wie in diesen Tagen. Im Nachhinein zweifelte ich sogar die Entscheidung für ein zweites Kind an, fand es unverantwortlich den Kindern gegenüber, wenn ich doch schon mit einem überfordert bin.

Und dann war der ganze Spuk nach zehn Tagen urplötzlich vorbei. Das Baby gluckste wieder vergnügt und das Fröschlein hatte auf einmal wieder kooperative, gutgelaunte Momente. Natürlich testet er trotzdem weiterhin den ganzen Tag Grenzen aus, aber in einem Maße, mit dem ich die meiste Zeit gut umgehen kann. Aber die Erinnerung an das Gefühl des Versagens ist noch sehr präsent, und ein wenig graut mir vor der nächsten schlimmen Phase.

Und dann postete gestern jemand den Link zum Artikel von Steve Wiens in meine Twitter-Timeline, der davon handelt, dass negative Gedanken einen nicht automatisch zu schlechten Eltern machen. Dass es normal ist, wenn man manchmal lieber woanders wäre oder die Minuten zählt, bis die Kinder endlich schlafen. Beim Lesen dachte ich die ganze Zeit nur „Ja, ja, ja, endlich gibt jemand mal solche Gedanken zu“. Denn Familienleben ist nicht immer rosa Zuckerwatte, es gibt Tage, an denen man sich nichts mehr wünscht, als eine Pause. Und ich stimme Wiens zu, wenn er sagt, dass einen das nicht zu schlechten Eltern macht, genauso wie Fehler erlaubt sind.

Für mich stellte sich dann aber die Frage, wann man als Elternteil schlecht ist. Natürlich gibt es die ganz offensichtlichen Fehlleistungen wie Misshandlung oder Vernachlässigung. Aber ich denke, es reicht auch schon weniger, um ein Kind einen Schaden davon tragen zu lassen. In irgendeiner Blogdiskussion (wann und wo habe ich leider vergessen) ging es auch mal um das Thema „gute Eltern“ und der Tenor war, dass das wichtigste sei, dass man sein Kind liebt. Meiner Meinung nach ist es nicht ganz so einfach, denn ich bin davon überzeugt, dass die meisten Eltern ihre Kinder lieben, auch die, die richtig Bockmist bauen. Und ich komme bei all meinen Überlegungen zu dem Ergebnis, dass es wohl keine allgemeingültige Definition für gute Eltern gibt. Bin ich eine gute Mutter? Ich weiß es nicht. Perfekt bin ich mit Sicherheit nicht, aber das ist vollkommen in Ordnung. Perfektion ist in meinen Augen kein besonders erstrebenswertes Ziel und würde keinem guttun, auch nicht den Kindern. Wie sollten sie sonst je lernen, dass Fehler zum Leben gehören und dass es darauf ankommt, wie man damit umgeht? Und deshalb finde ich es wichtig, dass auch mal beim netten Mutterplausch darüber geredet wird, wie man seine eigenen Erziehungsideale „verraten“ hat. Vielleicht hört man dann auf, sich an überzogenen Idealvorstellungen zu orientieren und erkennt, dass man sich gar nicht so schlecht schlägt.

(Wiens-Artikel via @Liamie)

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Grün, grün, grün sind alle meine Kleider

Immer wieder bin ich erstaunt, wie unterschiedlich die Ratschläge zur Kleidungserstaustattung sind. Sowohl was die Anzahl, als auch die einzelnen Teile betrifft.

Generell gilt für mich: Babykleidung muss in erster Linie praktisch sein. Es gibt unheimlich süße, schnuckelige Stücke, die sich auf Fotos wunderbar machen. Die in der Praxis aber total untauglich sind und einen schier in den Wahnsinn treiben, wenn man das Baby mehrmals täglich an- und ausziehen muss. Außerdem weigere ich mich, viel Geld für Babykleidung auszugeben. Gerade in den ersten Monaten wachsen die Kinder sehr schnell, manche Kleidergröße wird nur zwei oder drei Wochen getragen. Das Partybaby ist mit noch nicht einmal zwei Monaten bereits aus vielen Stücken in Größe 62 rausgewachsen. Beim Fröschlein war das ähnlich.

Was hat sich also bei uns bewährt?

Größe: Da alles darauf hingedeutet hat, dass unsere Babys nicht klein sein werden, habe ich von Anfang an keine Größe 50 gekauft, auch wenn mich die Fachverkäuferin unbedingt vom Gegenteil überzeugen wollte. Sogar in Größe 56 hatten wir nur wenige Teile, wirklich große Gaderobe habe ich erst ab Größe 62 gekauft. Wenn ein Strampler am Anfang an den Beinen einen Zentimeter zu lang ist fällt das kaum auf, auch Oberteile kann man am Ärmel problemlos einmal umschlagen. Lediglich bei Bodys finde ich es wichtig, dass sie halbwegs anliegen und das Kind nicht darin „schwimmt“.

Material: Ich bin Allergiker und habe empfindliche Haut, deshalb ist mir wichtig, dass die Babykleidung aus reiner Baumwolle ist. Lässt sich meist auch besser waschen und pflegen und fühlt sich angenehm an. Nur bei Socken muss man vermutlich zwangsläufig Kompromisse eingehen.

Kleidungsstücke: Bodys, Strampler und Langarmoberteile gehören vermutlich zur normalen Grundausstattung. Natürlich kann man statt Strampler auch Zweiteiler bestehend aus Hose und Oberteil nehmen. Besonders wichtig sind mir folgende Punkte:

  • Wickelbodys: „Normale“ Bodys werden wie ein Oberteil über den Kopf gezogen und im Schritt zugeknöpft. Es gibt aber auch Wickelbodys, die wie eine Jacke angezogen werden und dann zusätzlich zu den Knöpfen im Schritt seitlich geknöpft oder gebunden werden. Für mich sind sie unverzichtbar. Zum einen mögen viele Babys es nicht besonders, wenn man ihnen etwas über den Kopf zieht. Gerade in der ersten Zeit, wenn das Baby auch den Kopf noch nicht selbst hält, ist es manchmal gar nicht so einfach, etwas darüber zu streifen. Zum anderen kamen und kommen bei uns immer wieder Windelunfälle vor. Sprich, die Windel ist der Füllung nicht gewachsen und läuft über. Und wenn dann die Bescherung fast bis unter die Schulterblätter reicht, ist das Umziehen des Babys nicht spaßig. Da hilft es ungemein, wenn man das Kind einfach aus seiner Kleidung herausschälen kann und nicht das ganze Geschmodder auch noch über den Kopf ziehen muss.
  • Strampler mit Wickelklappe oder -knöpfung: Bevor ich Kinder bekam, hatte ich keine Vorstellung davon, wie viel Zeit man mit einem Neugeborenen am Wickeltisch verbringt. Nach allem, was ich gehört habe, ist achtmal Wickeln am Tag durchaus die Regel. Es geht aber auch anders: das Partybaby hat eine ordentliche Verdauung und braucht seit seiner Geburt 12-15 frische Windeln am Tag. Immerhin, so langsam nähern wir uns der einstelligen Windelzahl an. Und wenn man so oft an die Windel heran muss ist es sehr nervig, wenn man das Kind jedes Mal ganz ausziehen muss. Daher finde ich Knopfleisten im Schritt, die ein schnelles nach oben klappen des Hosenteils ermöglichen, sehr praktisch.
  • Strampelhosen mit Fuß oder glatte Baumwollsocken: Meine beiden Baby sind bzw. waren Weltmeister im Socken wegstrampeln. Ihnen welche anzuziehen gleicht einer reinen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme: nach 5 Minuten sind die Füße wieder nackig. Kalte Füße sind aber schlecht, lernt man im Geburtsvorbereitungskurs, da können Babys nicht gut schlafen. Und schlafende Babys sind wichtig, damit Mama auch mal durchschnaufen kann. Deshalb musste eine Alternative gefunden werden. Zum einen gibt es Strampelhosen mit Fuß, die ich beim Fröschlein noch nicht hatte und jetzt beim Partybaby sehr schätzen gelernt habe. Zum anderen habe ich festgestellt, dass glatte Baumwollsocken gut sitzen und das Baby sie nicht los wird, während die aufgerauten mit mehr Synthetikanteil (keine Ahnung, haben die einen speziellen Namen) sehr rutschig sind. Diese sind aber meist deutlich wärmer, können aber bei Bedarf noch als zweite Schicht übergezogen werden. Mit einer Kleidungsschicht darunter rutschen sie auch nicht mehr von den Füßchen.
  • Jacke ohne Kapuze: Ein Baby verbringt viel Zeit seines Lebens auf dem Rücken liegend. Das gilt besonders, wenn es das Haus verlässt, da ist es nämlich meist im Kinderwagen oder in der Babyschale fürs Auto. Und da ist es doch eher unbequem auf Bergen von Stoff zu liegen, weshalb ich Kapuzen an Babyjacken komplett überflüssig finde. Leider teilt die Bekleidungsindustrie diese Einschätzung nicht, sonst wäre es vermutlich nicht so schwer, kapuzenlose Jacken zu finden.

Menge: Wie viele Kleidungsgarnituren man braucht lässt sich meiner Meinung nach nicht pauschal sagen. Ich denke mal 5-6 sind Minimum. Zum einen möchte man nicht täglich waschen, zum anderen braucht manja auch mal Ersatzkleidung in Reserve. Beim Fröschlein sind wir mit dieser Menge prima hingekommen, ihn mussten wir auch selten tagsüber neu einkleiden. Das Partybaby braucht deutlich mehr. Er spuckt häufig und es gibt Tage, an denen verbraucht er vier bis fünf Kleindungsgarnituren. Dennoch würde ich empfehlen, am Anfang nicht zu viel zu kaufen, zum einen erhält man anlässlich der Geburt viele Geschenke, zum anderen sind dank Onlineshops und gut sortieren Drogeriemärkten fehlende Stücke auch schnell besorgt.

Und sonst so? Mütze, warme Überzieher für die Füße (für draußen) und mindestens zwei Schlafsäcke sind auf keinen Fall eine Fehlinvestition.

Was haben wir gar nicht gebraucht? Schlafanzüge wurden bei uns in den ersten Wochen selten getragen, die Babys schliefen entweder nackig im Schlafsack (der dann natürlich Ärmel hat) oder mit einem Body bekleidet. Und dann kommt es natürlich auch sehr auf Jahreszeit und Temperaturen an. Das Partybaby wurde in eine Hitzewelle hinein geboren und trug in den ersten drei Wochen kaum etwas anderes als lediglich einen Body und Söckchen. Jacken und Pullover in 56 wurden komplett ungetragen wieder aussortiert. Für T-Shirts in ganz kleinen Größen hatten wir ebenfalls keine Verwendung.

Und wie warm muss man das Baby anziehen? Im Geburtsvorbereitungskurs wurde mir die Regel „eine Schicht mehr als die Mutter (zum Wohlfühlen braucht)“ beigebracht, und damit sind wir bislang immer gut gefahren. Im Nacken merkt man am Besten, ob dem Baby zu kalt oder zu warm ist, da kann man bei Bedarf immer mal fühlen.

Und jetzt bin ich gespannt, was ich noch alles vergessen habe. Was haltet Ihr für wichtig bei der Kleidungserstaustattung?

Besserwisserei

Seit dem Blogneustart gibt es die Kategorie „Besserwisserei“. Da ich für mein Leben gerne gute Ratschläge gebe (ich werde vermutlich mal eine furchtbare Schwiegermutter) und einen außerordentlichen Mitteilungsdrang habe, werden hier meine Ratschläge an Neu-Eltern gesammelt, ebenso wie die Dinge, die ich rückblickend im Alltag mit den Kindern inzwischen vielleicht anders machen würde, eben weil ich es jetzt besser weiß. Dazu soll gesagt sein: es handelt sich hier um meine ganz subjektiven Erlebnisse. Außer der Tatsache, dass ich Mutter von zwei Kindern bin (und das noch nicht einmal besonders lange), qualifiziert mich nichts zu diesen Aussagen, ich habe weder tiefergehende pädagogische noch pflegerische Qualifikationen. Aber ich habe festgestellt, dass für uns manche Dinge besser passen oder wichtiger sind, als andere. Und vielleicht geht das ja auch anderen so und hilft weiter.

Unwirklich

Heute mittag schrieb ich bei Twitter:

Beide Kinder schlafen. Das versuche ich jetzt auch.

— Yenofa(@MmeYenofa) August 25, 2013

Und vor dem Absenden stockte ich. Hatte ich gerade „beide Kinder“ geschrieben? Beide? Das bedeutet zwei. Zwei Kinder! Ich. Die mich Mama nennen (naja, eins davon, das andere zumindest irgendwann). Unglaublich. Immer noch sehr unwirklich.

Schlaf, Kindlein, schlaf!

Bevor ich Kinder hatte, war für mich eines klar: niemals würde ein Baby bei mir im Bett schlafen dürfen! Viel zu gefährlich. Ich hatte Angst, ich könnte mich drauf rollen oder es versehentlich mit der Decke zudecken und ersticken. Abgesehen davon war ich überzeugt, dass man mit Kind im Bett sowieso keinen Schlaf findet.

Dann wurde das Fröschlein geboren. Und im Krankenhaus teilte eine Frau mit mir das Zimmer, die schon das zweite Kind bekam. Ganz selbstverständlich kuschelte sie sich nach dem Stillen mit dem Baby zusammen und schlief ein. Das fand ich unverantwortlich. Als die Nachtschwester kam, erwartete ich, dass sie „eingreift“, aber sie lächelte nur und zupfte ein wenig die Zudecke zurecht. Ich war innerlich empört über so viel Unvernunft! (Anmerkung: die beschriebene Situation finde ich auch heute noch gefährlich und würde sie nicht zur Nachahmung empfehlen, denn Krankenhausbetten sind nicht sehr breit, aber dafür hoch, und das Risiko, dass das Baby hinaus fällt ist meiner Meinung nach zu groß.) Zuhause stellte sich dann sehr schnell heraus, dass das Fröschlein nur mit Körperkontakt schlafen konnte. Anfangs versuchten wir verbissen, ihn zum Schlafen im Beistellbett zu bringen, aber ohne Erfolg. Irgendwann waren wir einfach nur noch übermüdet und legten und legten uns mit ihm gemeinsam hin. Anfangs schlief er ausschließlich auf meinem oder des Gatten Bauch, später genügte es ihm dann auch, direkt neben mit zu liegen. Herausfallgefahr bestand dank Beistellbett nicht, aber meine Ängste bezüglich Zerquetschen oder Ersticken bestanden weiterhin. Zu meiner Überraschung merkte ich aber, dass ich auch im Schlaf immer auf das Baby achtete, mich nie in seine Richtung bewegte und obwohl sonst eher unruhig, auf einmal ganz ruhig in einer Position verharren konnte. Und am meisten überraschte mich, dass ich trotzdem gut schlief! Stillberaterin und Hebamme bestärkten mich und so wurde aus der Notlösung eine akzeptierte Normalsituation. Später bekam das Fröschlein sein eigenes Bett (und noch später sein eigenes Zimmer), darf aber bis heute bei uns schlafen, wenn es nötig ist.

Ich wurde wieder schwanger und dieses Mal stand für mich fest, dass das Baby dort schlafen wird, wo es sich am wohlsten fühlt. Hauptsache alle Beteiligten bekämen ausreichend Schlaf. Der Geburtstermin rückte näher, und ich stolperte über einen Artikel bei Spiegel Online: Plötzlicher Kindstod: Das Risiko im Elternbett. Dort wurde die Carpenter-Studie vorgestellt und teilweise mit drastischen Worten geschildert, wie sehr das Risiko für plötzlichen Kindstod (SIDS) durch das Familienbett steigt, selbst wenn alle sonstigen Risikofaktoren (Rauchen, Drogen, Ungestillt) nicht vorhanden sind:

Die Mutter nimmt es zu sich, stillt, beide schlafen ein. Das passiert, weil die Übermüdung groß ist, weil die körperliche Nähe das Kind beruhigt, weil es einfach schön ist. Und es passiert, obwohl mittlerweile viele Eltern wissen, dass ihr Kind ein größeres Risiko für den plötzlichen Kindstod hat, wenn es mit ihnen in einem Bett schläft.

Ähm, ja? Ich wusste, dass die Empfehlungen meist ein eigenes Bett beinhalten, dass aber ohne weitere Risikofaktoren das Familienbett trotzdem sehr riskant ist, war mir nicht bewusst. Die im Artikel vorgestellte Studie hatte ich nicht im Original gelesen, aber die Schilderung und die Vorgehensweise klang erstmal seriös, und ich war reichlich verunsichert. Schließlich hörte ich aber dennoch auf mein Bauchgefühl, und das Partybaby durfte schon im Krankenhaus bei mir schlafen, wenn nötig (dieses Mal ein anderes Krankenhaus als beim Fröschlein, mit Babybalkonen, so dass Rausfallen zum Glück kein Thema war). Aber ein leichtes Bauchgrimmen blieb.

Und dann stieß ich gestern auf die wunderbare Ode an das Beistellbettchen von Hebamme Anja. Die ganzen Vorzüge des Beistellbettchens, die sie schildert, kann ich nur bestätigen. Und das Partybaby nutzt es tatsächlich sogar zum Schlafen, während beim Fröschlein auch die Hauptfunktion die Ablagemöglichkeit und der Rausfallschutz waren. Außerdem nutzen wir es mit Rollen und abnehmbarem Gitter auch im Rest der Wohnung als Stubenwagenersatz. Aber besonders interessant sind natürlich ihre Hinweise zum Familienbett und der Link zur Antwort auf die Carpenter-Studie von Dr. Renz-Polster und Dr. De Bock. Das Dokument habe ich gründlich gelesen und nun mir auch endlich die Originalstudie grob angeschaut. Die Kritik von Renz-Polster scheint mir angebracht und fundiert, unter anderem wird darauf verwiesen, dass die zugrundeliegenden Datensätze allesamt mindestens 15 Jahre alt sind und neuere Entwicklungen und vor allem auch neue Erkenntnisse der SIDS-Forschung nicht berücksichtigt werden. Letztlich lässt sie die komplette Studie in einem ganz anderen Licht erscheinen. Bei der Lektüre wurde mir wieder einmal klar, dass es bei wichtigen Fragen einfach unerlässlich ist, selbst zu recherchieren, selbst seriöse Zeitungsartikel schildern häufig nur eine Sichtweise. Ehrlich gesagt habe ich mich auch ein wenig geärgert, wie schnell manche Medien auf einen Hype aufspringen. Für mich habe ich jetzt entschieden, dass unser Weg für uns der richtige ist, Risiken können natürlich nie ganz ausgeschlossen werden.

Wahrscheinlichkeitsrechnung für Eltern

Gestern Abend erinnerte mich mein Handy freundlicherweise daran, dass ein Freund von uns Geburtstag hat. Ich hatte gerade das Partybaby auf dem Arm, der etwas – sagen wir es mal freundlich – ungnädig gestimmt war. Kein Problem, dachte ich. Sobald das Partybaby und das Fröschlein* schlafen, rufe ich an und gratuliere.

Natürlich hätte mir schon der gesunde Menschenverstand sagen können, dass daraus vermutlich nichts wird. Aber da ich auch ohne Schlafentzug und Stilldemenz nicht immer ein leuchtendes Beispiel für gesunden Menschenverstand bin, kann man dieses Problem natürlich auch wissenschaftlich erörtern. Schließlich sollte ich nach meiner Elternzeit nicht ganz aus der Übung sein.

Während meines Studiums musste ich jede Menge Mathe-Vorlesungen belegen, dazu gehörte auch Stochastik (Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik). Leider ist davon nicht allzuviel hängen geblieben, sonst hätte ich diese Rechnung gleich gestern Abend erstellen können.

Wir reden also von zwei Ereignissen:

  • A: das Fröschlein schläft
  • B: das Partybaby schläft

Nun stellt sich die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Ereignis A und Ereignis B zeitgleich auftreten. Dazu nehmen wir vereinfacht an, dass beide Ereignisse stochastisch unabhängig voneinander sind. In der Praxis stimmt das natürlich nicht ganz, denn ein schreiendes Partybaby kann das gerade eingeschlafene Fröschlein wieder aufwecken, ebenso wie das noch wache Fröschlein gelegentlich auf die Idee kommt, das schlafende Partybaby alleine aus dem Bett zu heben (spätestens durch das panische Elterngeschrei ist das Partybaby dann wach). Aber zum Glück lassen die beiden sich momentan noch wenig vom jeweils anderen vom Schlafen abhalten, so dass ich das einfach aus der Rechnung ausklammere.

Damit gilt: Wahrscheinlichkeit(A UND B) = Wahrscheinlichkeit(A) * Wahrscheinlichkeit(B)

Richtig gemein ist, dass die Ereigniswahrscheinlichkeiten natürlich stark von der Uhrzeit abhängen. Ein gutes Zeitfenster, um mit berufstätigen Personen zu telefonieren, ist normalerweise 19-21 Uhr, deshalb möchte ich mich darauf beschränken.

Das Fröschlein wird um 19 Uhr ins Bett gebracht. Wenn er sehr müde ist, keinen Mittagsschlaf gemacht hat und sich nicht wehrt, schläft er mit viel Glück gegen 19:30. Das kommt ungefähr zweimal pro Woche vor. Ansonsten dauert es deutlich länger, bzw. die Zubettgeh-Zeit verschiebt sich schon von vornerein nach hinten. Man kann also sagen, die Wahrscheinlichkeit für Ereignis A liegt in etwa bei 40% (vor 21 Uhr schläft er zum Glück im Normalfall durchaus ein).

Das Partybaby hat noch keine feste Schlafenszeit. Allerdings schläft er tagsüber (und zum Glück auch nachts) sehr gerne, dreht dafür aber in den Abendstunden so richtig auf. Wenn ich die letzten Tage rückblickend betrachte, dann würde ich sagen, die Schlafwahrscheinlichkeit im untersuchten Zeitraum liegt bei 25%.

Ergebnis: Wahrscheinlichkeit(A UND B) = 0,4 * 0,25 = 0,1

Das bedeutet, eine Wahrscheinlichkeit von 10%, dass beide Kinder gleichzeitig zu dieser Zeit schlafen und ich meinen Telefonanruf wie geplant tätigen kann. Das ist natürlich deutlich besser als die Chance auf einen Lottogewinn, also schonmal nicht schlecht. Da ich den Lottogewinn aber sowieso schon abgeschrieben habe und mich lieber an der harten Realität orientiere, muss man wohl sagen, dass ein Alternativplan wohl besser gewesen wäre.

Und jetzt sollte ich statt zu bloggen wohl wenigstens endlich eine Entschuldigungs-Nachträgliche-Geburtstagswünsche-Mail schreiben. Telefonieren werden wir dann wohl wieder, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

* In einer früheren Version stand hier statt Fröschlein „Wirbelwind“, weil ich fand, der junge Mann braucht einen neuen Namen. Aber ich kann mich nicht umgewöhnen. Und eigentlich passt Fröschlein nach wie vor gut.